№ 14

Mausgetrickst

Eine Hand liegt locker auf einer Maus. Ein Zeiger flitzt über den Bildschirm nach ihrem Takt. Die vertraute Praxis, so dachten Sie. Doch vielleicht muss die Geschichte jenes kleinen klickenden Schreibtischutensils neu geschrieben werden: Am Anfang stand ein lapidares „Ja“. – Beatrix von Storch, AfD-Vize-Vorsitzende, antwortete damit auf die Nachfrage eines Facebook-Nutzers. Die Partei denke daran, auch Mütter und Kinder mit Waffen am illegalen Grenzübertritt zu hindern. Dem folgte zwar direkt ein Dementi, das hinderte von Storch jedoch nicht daran, dem Spiegel später zu Protokoll zu geben, dass es sich bei ihrem „Ja“ um einen „technischen Fehler“ gehandelt habe. Sie sei, so die Erklärung ex machina, auf ihrer Computermaus „ausgerutscht“. Nun glaubt man in AfD-nahen Kreisen an alles, nur nicht an einfache Erklärungen. Beruhen die erbitterten Grabenkämpfe, die sich Internetnutzer derzeit in Kommentarspalten liefern, auf einem simplen Missverständnis? Dem, dass noch jeder der alleinige Urheber seiner Äußerungen sei? Was, wenn da noch jemand mitschreibt? Oder mitklickt? Ganz offensichtlich muss es dort, an dieser Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, ein Eigenleben geben! Verantwortung kann so von niemandem verlangt werden. Zumindest solange bis führende Hersteller nicht garantieren können, dass die eigene Meinung nicht durch ihre Geräte verfälscht wiedergegeben wird.
Doch die Magnaten der Klick- und Tastenperipherie wollen sich durch einen einzelnen Mausrutscher nicht ins Abseits manövrieren lassen. Die Branche arbeite bereits jetzt an Lösungen. So ließen sich die Computermäuse von morgen nur noch auf speziellen Matten verwenden, die an das Prinzip des Klettverschlusses erinnerten. Auch Modelle mit einer aufklappbaren Sicherheitsabdeckung über den Tasten seien denkbar. Versuche mit einer Autokorrektur hingegen, die bestimmte Begriffe und das unwillkürliche Einrasten der Hochstelltaste unterdrücke, verliefen weniger vielversprechend. Testnutzer monierten, dass dies ja einer Zensur gleichkäme. Vielfach erkenne man ein Argument erst daran, dass es großgeschrieben und mit vielen Ausrufezeichen versehen werde. Dennoch habe man das Problem richtig erkannt: Nutzer müssen vor einer eigenen Meinung, die am Ende vielleicht gar nicht ihre ist, nachhaltig geschützt werden.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2013 - 2017 Manuel Niemann. Some rights reserved.